Das Kunstwerk

Wie ich dir bereits erzählte, kann ich nicht mehr zu ihr gehn. Kaum noch schenkt sie mir Beachtung und wenn doch, finde ich ich mich in den letzten Winkel eines großen Geists verbannt. Es ist schließlich meine Gestalt, die achtlos geformt, mein Wesen kränkend, der Welt zur Schau gestellt wird. Als ein weiteres Werk, bloß ein neues Centstück im Schatten meisterhafter Kunst. Natürlich schmälert dies nicht ihr Können, oder die glühende Liebe im Herzen, wenn der geniale Sinn einer Künstlerin zum Vorschein kommt. Ich bin es nur leid, ausgenützt zu werden, den für sie Wichtigeren ein Tor zu sein, um noch in wenigen Minuten auf Papier zu entstehen, das nicht einmal meines Titels würdig ist; in jener grauenhaften Schrift der Vielsagenden. 

Deshalb muss ich sie verlassen, jawohl- auch wenn mir der Glanz träumender Augen fehlen wird, die in all ihrer Nässe mehr staunen, als weinen. Vielleicht ergibt es sich in leeren Momenten, ihr einen kleinen Besuch abzustatten, lediglich der alten Tage wegen, an denen wir beide glorreiche Stunden lebten und bis zum Himmel, nein, noch weiter flogen- die Seele des Seins in Worte fassend. Ach, mich packt der Kummer. Was also, soll ich tun?  

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Veröffentlicht von Moritz Pongratz

Moritz Pongratz wurde am 27.01.2003 in Kärnten geboren und ist derzeit Schüler des BRG Viktring (Musikzweig). Er entwickelte bereits früh seine Begeisterung für die Frei- und Schönheiten der deutschen Sprache, wie auch die Freude damit neues zu schaffen. 2016 gehörte er zu den Preisträgern des WiMo Literaturpreises und 2017 durfte er einen seiner Texte im Zuge der Gala: „Wider die Gewalt“ in der Burgarena Finkenstein vortragen. Im Juni 2020 ist sein erster Lyrikband: "41 Gedichte in beabsichtigter Reihenfolge" im SchriftStella Verlag erschienen.