Das Schaf

An der Küste hat mein Leben begonnen, zwischen Welle und Wiese, einen Fuß auf der Erde, einen Fuß noch im Sand, spiegelt mich unten das Meer und oben die Wolke. Wind und nicht Wasser füllt den im Staunen geöffneten, atmenden Mund und aus dem Salz in der Luft lösen sich zwei Augen. Die Sonne, triumphierend über die Lichter der Tiefsee, verlieh ihnen ihr Bild.

Da stand ich am Rand der Klippe, vor mir zwar ein Meer ohne Ende spürend, den Blick jedoch längst aufs grüne Land gerichtet. Ein Schritt hätte mich getötet. So drehte und rettete mich der Duft, denn er kam von den Hügeln, Büschen und Blumen.

Dort entdeckte ich den Beobachter, er war in Wolle gepackt und froh jemanden gefunden zu haben. „Wir sind als Geschwister geboren“, dachten ich und das Schaf zugleich und kamen genauso schnell zu anderem Schluss; eine Herde graste nicht weit entfernt. 

Erleichtert gingen wir unserer Wege, gut unterscheidbar, meiner war von vielen Schritten geformt. Es war der Weg der Menschen. Er wusste mich gut zu leiten, durch die Einöde, die ich zu lieben beschloss, bis ich ans Ende käme.  

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Veröffentlicht von Moritz Pongratz

Moritz Pongratz wurde am 27.01.2003 in Kärnten geboren und veröffentlichte 2020 seinen ersten Lyrikband 41 Gedichte in beabsichtigter Reihenfolge im Verlag SchriftStella. Derzeit befindet er sich in Vorbereitung auf sein Germanistik und Jazz Schlagzeug Studium in Graz. Die Website „Moritz Pongratz Literatur“ ist Portfolio und Medium zum Experimentieren zugleich. Publiziert werden Gedichte und Prosaminiaturen in Rohfassung.