Das Schaf

An der Küste hat mein Leben begonnen, zwischen Welle und Wiese, einen Fuß auf der Erde, einen Fuß noch im Sand, spiegelt mich unten das Meer und oben die Wolke. Wind und nicht Wasser füllt den im Staunen geöffneten, atmenden Mund und aus dem Salz in der Luft lösen sich zwei Augen. Die Sonne, triumphierend über die Lichter der Tiefsee, verlieh ihnen ihr Bild.

Da stand ich am Rand der Klippe, vor mir zwar ein Meer ohne Ende spürend, den Blick jedoch längst aufs grüne Land gerichtet. Ein Schritt hätte mich getötet. So drehte und rettete mich der Duft, denn er kam von den Hügeln, Büschen und Blumen.

Dort entdeckte ich den Beobachter, er war in Wolle gepackt und froh jemanden gefunden zu haben. „Wir sind als Geschwister geboren“, dachten ich und das Schaf zugleich und kamen genauso schnell zu anderem Schluss; eine Herde graste nicht weit entfernt. 

Erleichtert gingen wir unserer Wege, gut unterscheidbar, meiner war von vielen Schritten geformt. Es war der Weg der Menschen. Er wusste mich gut zu leiten, durch die Einöde, die ich zu lieben beschloss, bis ich ans Ende käme.  

weitere Texte

Diese Website unterstützen und Mäzen werden: Patreon

Veröffentlicht von Moritz Pongratz

Moritz Pongratz wurde am 27.01.2003 in Kärnten geboren und ist derzeit Schüler des BRG Viktring (Musikzweig). Er entwickelte bereits früh seine Begeisterung für die Frei- und Schönheiten der deutschen Sprache, wie auch die Freude damit neues zu schaffen. 2016 gehörte er zu den Preisträgern des WiMo Literaturpreises und 2017 durfte er einen seiner Texte im Zuge der Gala: „Wider die Gewalt“ in der Burgarena Finkenstein vortragen. Im Juni 2020 ist sein erster Lyrikband: "41 Gedichte in beabsichtigter Reihenfolge" im SchriftStella Verlag erschienen. Er ist Mitglied der IG österreichischer Autorinnen und Autoren.