Regen

Niemals schweigen,
soll der Geigen
 streichend Sang zum Himmel hin,
bin des Trauerns doch längst leide,
such nicht mehr des Lebens Sinn,
denn mehr als Leben,
wär ein Streben,
dessen es nicht auch bedarf,
danke einfach nur dem Regen,
dass ich ihn noch spüren darf.

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© 2020 Moritz Pongratz

Der Sucher

Von woher tönt die hämisch Stimme,
schleiergleich durch Wände klingend,
dunkler Meereswogen Sang?
Der Drang kommt auf,
der Drang zu suchen.
Folg mir,
kommt es aus der Tiefe,
oder vielmehr ringsumher,
schwer wird es zu widerstehen,
doch der Wunsch den Tag zu sehen,
war viel stärker als die Nacht,
und der Sucher,
endlich findend,
und der Sucher ward erwacht.

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© 2020 Moritz Pongratz

Des Herbstes Blätter

Wie man es nimmt,
wie man es dreht,
bevor man begreift,
ist es zu spät.
So glaub ich nicht,
dass uns im Leben beschieden,
den Tod als Erfüllung des Schicksals zu lieben,
denn nur des Herbstes Blätter,
sterben schön,
doch nicht nur sie, werd ich einst wiedersehn,
wenn die Taten vollbracht,
die Träne, gesät,
als Weizen der Demut die Zeit übersteht,
dann lasst uns voll Freude die Zukunft erspähn,
um als Menschen, die lebten,
weiterzugehn.

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© 2020 Moritz Pongratz

Die Gestalt

Der Wogen Glätte wurde alt,
und die Gestalt am Ufer sprang,
taucht ein in jenen Zauberklang,
fernab des Windes,
Untersee,
weit von dem Leid,
der Not,
dem Weh,
die heilend, seelisch Melodie,
im herzzerreißend Sehnsuchtstanze,
friedenfindend,
ohne Wehr,
und die Gestalt,
 kehrt nimmermehr.

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© 2020 Moritz Pongratz

Himmelskind

Spürst du Freude?
Fühlst du Wärme?
Lass der Sonne ihren Schein.
Dort am Himmel,
in der Ferne,
entspringt das Licht und lässt dich schrein.

Nicht aus Furcht,
sondern vor Glück,
glückselig bis zum Abend.
Mein Herz das pocht in einem Stück,
all der Kummer noch vor Tagen.

Man dachte all das wär nur Regen,
meine Tränen,
Himmelstropfen.
Von nun an soll das Heute leben,
die Sonne mir ins Herz getroffen.

Mein Eisberg schmilzt,
nun bin ich frei,
und tanze froh im Wind,
mein Körper der ist neugeboren,
wie ein Himmelskind.

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© 2020 Moritz Pongratz

Der letzte Vogel

So ward der Zeiten Ende nah,
zur Vogels letzten Morgenstund,
erklingt die Stimme wunderbar,
doch gilt sie nicht dem Alter.
Und das morgenrötlich Gold,
küsst bis zum Ende noch die Blätter,
jenes Baumes,
welcher einst bekannt,
des letzten Vogels Heimat war,
denn als der Wald einst abgebrannt,
zum Himmel stieg die Vogelschar.

So ward der Zeiten Ende nah,
und trotzdem sang ein letzter Vogel,
seiner Heimat alter Tage,
grüner Wiesen,
doch nur vage,
schien ihn diese Melodie
noch daran zu erinnern.

Es ward dem Vogel nicht bewusst,
auf welchem Baume er da sang,
obgleich er kahl und ganz verdorrt,
so gäb es keinen schönren Ort,
als des letzten Vogels Heimat.

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© 2020 Moritz Pongratz